Münchner Zentrum für antike Welten
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Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

Das Oppidum von Kastel-Staadt, Kr. Trier-Saarburg

Förderungsbeginn: April 2015
 
Ziel meiner Dissertation ist die siedlungsarchäologische Analyse der eisenzeitlich-frührömischen Siedlung von Kastel-Staadt im Kontext der spätlatènezeitlichen Urbanisierung und anschließenden Romanisierung in der frühen römischen Kaiserzeit. Der Fundort ist als eines der fünf Oppida des keltischen Stammes der Treverer bekannt, welcher im 1. Jh. v. Chr. zwischen Maas und Mittelrhein siedelte. Es handelt sich um einen markanten Plateausporn, dessen einzige zugängliche Seite durch einen mächtigen, zu keltischer Zeit errichteten Wall abgeriegelt ist. Zwar galt der Platz im 19. Jh. als eine der bedeutendsten römischen Ruinenstätten im Trierer Land, moderne Grabungen fanden aber erst seit 1997 statt und wurden vereinzelt in Vorberichten publiziert. Im Gegensatz dazu wurden die vier anderen treverischen Oppida auf dem Titelberg, dem Martberg, dem Castelberg bei Wallendorf sowie dem Dolberg bei Otzenhausen umfassend publiziert. Es besteht also eine sehr gute Vergleichsbasis für siedlungsarchäologische Fragestellungen.
Für die Interpretation der Fundstelle bietet sich eine Analyse auf mehreren räumlichen Ebenen von lokal bis überregional an.
Auf lokaler Ebene soll anhand archäologischer Funde und Befunde der acht Grabungsflächen ein detailliertes Bild der Siedlung im zeitlichen Wandel gezeichnet werden. Erste Untersuchungen ergaben, dass der Fundplatz kontinuierlich von spätestens der Spätlatènezeit bis in die Spätantike und vermutlich darüber hinaus besiedelt war. Neben der Wohnbebauung, die sich in römischer Zeit auf den zentralen Bereich zu reduzieren scheint, wurden auch ein römisches Heiligtum und ein Theater aufgedeckt. Ersteres hatte möglicherweise einen latènezeitlichen Vorgänger.
Der nächste Schritt ist die Einordnung in den Kontext der späteisenzeitlich-frührömischen Siedlungslandschaft zwischen Maas und Mittelrhein, d.h. ein Vergleich mit der Siedlungsentwicklung der anderen treverischen Oppida. In diesem Zusammenhang soll auch der Frage nachgegangen werden, was unter einem Oppidum generell und in der Untersuchungsregion verstanden wird und wie Kastel-Staadt in den Diskurs um diesen Begriff einzuordnen ist. Eng mit dem Oppidabegriff verknüpft ist die Frage der Zentralörtlichkeit. In meinem Promotionsprojekt möchte ich untersuchen, ob und welche zentralörtlichen Funktionen Kastel-Staadt hatte und was für eine Stellung der Ort in der regionalen Siedlungshierarchie einnahm. Einen weiteren wesentlichen Punkt meiner Arbeit stellt die Romanisierung dar. Die diachrone Nutzung von Kastel-Staadt erlaubt es, die Romanisierung eines Zentralortes zu untersuchen. Von Interesse ist primär, zu welchem Zeitpunkt der erste römische Einfluss fassbar wird und wie die Romanisierung weiterhin verlief. Die wichtigsten Quellen stellen die materielle Kultur und die Architektur dar. Mit der Eroberung Galliens durch die Römer erlitten die meisten treverischen Oppida einen Bedeutungsverlust. Nur als religiöse Zentren mit Tempelbauten spielten sie weiterhin eine Rolle. Ob auch Kastel-Staadt einen Bedeutungswandel hin zum Kultzentrum erlebte, wie es das Heiligtum suggeriert, wird zu prüfen sein.
Ein noch ausstehender überregionaler Vergleich der treverischen Oppida mit solchen anderer keltischer Stammesgebiete beschließt die Arbeit. Anhand von Beispielen sollen Unterschiede und Gemeinsamkeiten in Entstehung, Bestand und Niedergang vergleichend betrachtet werden.
Die siedlungsarchäologische Untersuchung des Fundplatzes Kastel-Staadt verspricht detaillierte Einsichten in die Siedlungsstruktur sowie die sozialen, wirtschaftlichen und religiösen Verhältnisse eines Zentralortes im Spannungsfeld zwischen Kelten und Römern. In Verbindung mit der Gegenüberstellung benachbarter Oppida liefern diese Ergebnisse einen wesentlichen Beitrag zum Gesamtverständnis der Besiedlungsgeschichte des Treverergebietes.