Münchner Zentrum für antike Welten
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Spätantike und Byzantinistische Kunstgeschichte

Seraphim und Cherubim in Spätantike und Byzanz. Ihre Entwicklung und Bedeutung in Sphäre und Raum

Förderungsbeginn: April 2017

Wie kaum andere Himmelswesen oder Darstellungskonventionen der christlichen Ikonographie reflektieren die Gestalten der Cherubim und Seraphim eine Zeit und Raum übergreifende Tradition. Seit jeher beanspruchen sie eine wichtige Position zwischen Göttlichkeit und Irdischem, ohne dabei wie andere göttliche Flügelwesen – Engel – mit den Menschen in Verbindung zu treten. Im Gegensatz zu anderen Götterboten, seien sie nun assyrischen, ägyptischen, griechischen oder zuletzt christlichen Ursprunges, entziehen sie sich jeglicher präziser Klassifikationen. Aber auch ihre Zweideutigkeit sowie mysteriöse Aura führen in die Irre und erschweren die Auslotung ihrer semantischen Funktion in himmlischen Sphären. Sie zählen daher zu den wohl rätselhaftesten Wesen der Ikonographie der spätantiken und byzantinischen Kunst.
Ziel der Arbeit ist es, an Hand von zeitgenössischer Kunst und parallelen Texten über die Bilder hinaus die Semantik der Flügelwesen zu begreifen sowie ihr Abstecken der göttlichen Sphären in der Spätantike und in Byzanz zu untersuchen. Eine Analyse der alttestamentarischen Texte, die bereits auf das imaginative Set der altorientalischen Welt zurückgreifen und den Weg für die Gedankenwelt der Kirchenväter und christlichen Autoren bereiten, bildet zunächst die Grundlage meiner Arbeit. Dies erlaubt eine Genese von spätantiken und byzantinischen Bildzeugnissen, die besonders im Raumkontext zu suchen sind und exemplarisch mit etwa zwanzig Beispiel besprochen werden. Zuletzt soll der Konnex zur liturgischen Welt einen Einblick in die sozialhistorische Wertigkeit der Flügelwesen geben und die aktive Kreation einer nachhaltigen göttlichen Sphäre im Kirchenraum, sowohl durch liturgischen Gesang als auch durch eine scheinbare Interaktion mit Seraphim und Cherubim, verdeutlichen.