Münchner Zentrum für antike Welten
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Vor- und Frühgeschichtliche Archäologie

Ältereisenzeitliche Deponierungen zwischen der Bretagne und dem Karpatenbecken

Förderungsbeginn: Juni 2016
 
Deponierungen, die auch als Depotfunde und Hortfunde bezeichnet werden, stellen eine wichtige archäologische Quellengattung der Prähistorischen Archäologie dar. Es handelt sich bei ihnen um intentionelle Niederlegungen ohne direkten Siedlungs- oder Grabkontext. Sie werden von der Forschung häufig als der archäologische Niederschlag eines religiösen Rituals gewertet und bieten damit einen einzigartigen Einblick in die religiöse Vorstellungswelt vorgeschichtlicher Epochen ohne eigene schriftliche Überlieferungen.
Während die Erforschung dieses Phänomens gerade in der Bronzezeitforschung eine große Rolle spielt, wurde es für die ältere Eisenzeit bislang noch nicht umfassend und überregional untersucht.
Ziel dieses Dissertationsvorhabens wird es deshalb sein erstmals die Metalldeponierungen im Gebiet zwischen der Bretagne und dem Karpatenbecken aus der Zeit von ca. 800 v.Chr. bis ca. 300 v. Chr. aus der Literatur zusammenzutragen und auszuwerten. In der Auswertung erfolgt eine Systematisierung der verschiedenen Deponierungsarten anhand ihrer Zusammenstellung (Anzahl der Objekte, Art der Objekte, Komplexität der Zusammenstellung, Behandlung der Objekte). Durch die regionale und chronologische Verbreitung der daraus resultierenden Deponierungsarten wird es möglich sein regionale Besonderheiten und zeitliche Entwicklungen der Deponierungssitte zu erkennen. Ein besonderes Augenmerk wird auch auf der topographischen Lage der Fundplätze und ihrem Einfluss auf die Art und Zusammensetzung der Deponierungen liegen. Auch sollen die Deponierungen mit anderen mutmaßlich religiösen Äußerungen der älteren Eisenzeit im Arbeitsgebiet, wie den bekannten Brandopferplätzen, den Scherbentrümmeropferplätzen und den wenigen ausgebauten Heiligtümern verglichen werden, um ein umfassenderes Bild des Ritualverhaltens dieser Zeit zu bekommen. Da Analogien wichtige Interpretationsansätze liefern können, werden die ältereisenzeitlichen Phänomene auch mit ähnlichen Erscheinungen der bereits schriftführenden Kulturen des mediterranen Raums gegenübergestellt. Zudem soll ausgelotet werden, inwieweit durch das intentionell niedergelegte Material und seine Behandlung, Rückschlüsse auf die hinter den Deponierungen stehenden Rituale, ihren Zweck, ihre Adressaten und die an ihnen beteiligten Personen möglich sind.
Ich hoffe dadurch nicht nur einen Überblick und eine Systematisierung der Deponierungssitten der älteren Eisenzeit zu liefern, sondern auch einen neuen Einblick in die bislang weitestgehend unbekannte Vorstellungswelt dieser Zeit zu gewinnen.